„Wir haben schon eine coole Truppe“, stellt Trainer Felix an einem durch Sommerregen aufgefrischten Freitagabend irgendwo in Brandburg, bei kleinem Feuer und Feierabendgetränk fest. „Ja, unsere Jungs sind schon feine Kerle, aber auch die Eltern sind bei uns was Besonderes“, ergänzt Jan (Spielervater und Freund der Trainer). Wenige Minuten später ist die erweiterte Version der gemeinsamen Zeltnacht (Saisonabschluss E II 2020/21) geboren. Ein ganzes Wochenende, das wäre doch genau das Richtige, „am besten in einer Jugendherberge und ich habe da auch schon eine Idee“, bringt Jan freudig ein. „Beschlossen, Prost!“

Es ist Juli 2022 und es ist ein durch Sommerregen aufgefrischter Freitagabend in Grumbach im Erzgebirge. Im Speisesaal werden bereits die ersten Mannschaftsteile versorgt. Hektisch werden die Zimmer aufgeteilt und übermütig rasen die Jungs durch die über 200 Jahre alte Raummühle. Die
Herbergsmutter Sabine nimmt das gelassen. Sie hat aktuell jede Woche Schulklassen im Haus und ist nach so vielen Jahren vermutlich alles gewohnt. Für uns hat sie das Haus komplett freigehalten. SG
LVB E I hat somit eine komplette Jugendherberge mit traumhaftem Gelände inmitten erzgebirgischer Natur für sich.

Nach dem Abendbrot schnappen sich die Eltern um Trainer Christian die aufgeregte Bande und es geht direkt noch mal raus in die Natur. Ein 90-minütiger Spaziergang in der Umgebung zieht die Großstadtgeister langsam in die Natur rein. Bäche und Steine lösen kurzfristig Handies und Tablets ab. Bis 21 Uhr treffen die Letzten ein und können noch vom leckeren Kesselgulasch kosten. Im Speisesaal wird Werwolf gespielt und in der Hutzenstube treffen sich die Eltern zum kleinen Getränk. Klar, man kennt sich vom Spielfeldrand und vom Caracan, aber nach einem gemeinsamen Abend in der Hutzenstube, kennt man sich noch ein klein wenig mehr.

Es gibt eine klare Ansage vom Trainer Christian: „Es wird nicht vor 7.30 Uhr aufgestanden morgen früh, wer wach ist, lässt die anderen schlafen“. Ja, das hat genau so funktioniert. Zwischen 7.00 und 7.30 Uhr muss eine Herde Gnus durch die Jugendherberge gezogen sein, denn unsere Jungs sollten sich ja nicht vor 7.30 Uhr blicken lassen. Nach dem Frühstück können unsere Kicker endlich raus auf den Sportplatz. Vorbildlich packen alle vorher ihre Rucksäcke samt Badehose, denn 10 Uhr heißt es Abmarsch durch den Wald zum Freibad. Natur pur können nun alle genießen. Entlang des kleinen Flusses verläuft die Strecke der Prießnitztalbahn und nach ca. 40 Minuten Fußmarsch erreichen wir das Freibad. Einsam und sicherlich ohne Vorahnung, was auf sie zukommen mag, treibt eine ortsansässige Seniorin im blauen Becken. Gerade so kann der Bademeister unsere Bande einnorden, bevor die Ersten kopfüber ins Wasser stürzen.

Hier ist alles noch in Ordnung. Unaufgeregt, weitläufig mit Spiel-, Volleyball- und Fußballplatz, einem Imbiss, der den Großstädter das Gefühl gibt, man könnte sich wieder die ganze Welt leisten und null Telefonempfang. Nicht nur wenig Empfang, nein gar kein Empfang. Das hat zur Folge, dass wir uns mit der hiesigen Bevölkerung austauschen müssen, um an Informationen zur Museumsbahn mit Dampflok zu kommen. Nach ausgiebigem Badespaß, Schwimmbad-Imbiss-Essen und Fußballspiel setzt sich die Gemeinschaft wieder in Bewegung. Aufregend, wir fahren Dampflokzug. Auf einmal können sich die heranwachsenden Pre-Teenager wieder mal über eine Dampflok freuen. Mit knallhart verhandelten Gruppenticket setzen wir unseren Weg fort, um anschließend zurück in die Herberge zu marschieren. Zwischenzeitliches gelangweiltes Fragen nach der hoffentlich baldigen Ankunft wird mit Erreichen der Herberge, durch abruptes Aufnehmen des Balls und Kicken belohnt. Die Eltern gönnen sich Kaffee und Kuchen, um anschließend traditionellen und modernen Breitensportaktivitäten nachzugehen. Neben Tischtennis und Fußballkreis probieren sich einige im Spikeball, auf der Slackline und beim Wikinger Schach.

Nach einem sehr leckeren Grillessen neigt sich der Tag dem Ende und die Nacht wird mit einem schönen Lagerfeuer begrüßt. Bei Knüppelteig und Lagerfeuermusik kommen noch einmal alle zusammen. Es wird kurz der Pokalsieger des Stadtpokals gewürdigt, der unseren Halbfinalgegner im Elfmeterschießen bezwungen hat und es wird noch mal lauthals die Mannschaft mit Trainern und einem extralauten „SG LVB“ laudiert.

Unsere Kicker haben eine hervorragende Saison gespielt. In der stärksten Liga sind sie 5. geworden und im Pokal grandioser Halbfinalist gewesen. Es bereitet unglaubliche Freude, den Jungs beim Spielen zuzusehen und es beeindruckt zu sehen, was links und rechts am Spielfeldrand passiert. Sei es die Arbeit der Trainer um Felix, Christian und Clemens oder die Unterstützung aller Eltern. Wir sind nur ein kleiner Teil einer großen Fußballwelt, eine kleine Nachwuchsmannschaft aus dem Leipziger Süden. In die große Welt haben wir keinen Einfluss, das ist auch nicht unser Ziel. Wir wollen die Zeit mit unseren Kindern und deren Freuden teilen und dabei zusehen, wie Freundschaften wachsen und am Ende eine Gemeinschaft entsteht!

Sportgemeinschaft LVB!

Wir haben ein wunderschönes und harmonisches Wochenende erleben können mit sehr viel Spaß, aktiver und passiver Erholung und tollem Essen in der Umwelt-Jugendherberge Grumbach. Vielen Dank dafür!

(Jan Feddeler)