Kannst du kurz die aktuelle Situation des Vereins zusammenfassen?
LW: Es ist eine Situation, die es so noch nicht gegeben hat. Es betrifft natürlich nicht nur unseren Verein und unsere Sportart exklusiv, sondern im Kern fast alle Sportvereine. Im Moment ist das Vereinsleben zum Erliegen gekommen. Es findet aufgrund der Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen kein Trainings- und Wettkampfbetrieb statt. Die Mitglieder, ob jung oder alt, können ihrer Leidenschaft nicht nachkommen. Die Mitgliederzahlen sind stabil. Wir haben keine Kündigungen wegen der Corona-Krise. Finanziell waren und sind wir gut aufgestellt. Wir sind ein hauptsächlich beitragsfinanzierter Stadtteil-Verein, leben auch von Fördergeldern und Kleinstsponsoren, die uns bis dato noch die Treue halten. Wir sind auch in angespannter Erwartungshaltung, was von den Verbänden kommt. Da herrscht gefühlt auch ein bisschen viel Ruhe. Da würden wir uns als Verein schon wünschen, dass uns mal jemand fragt oder schreibt, wie es weitergehen soll.

Wo trifft das Virus die SG, organisatorisch gesehen?
LW: Wir versuchen, über digitale Möglichkeiten den Verein am Laufen zu halten. Im Vorstand haben wir so oder so unsere Messenger. Wir nutzen darüber hinaus, Videotelefonie und den klassischen Mailverkehr. Sitzungen entfallen komplett. Entscheidungen, die nicht auf die lange Bank zu schieben sind, werden dennoch getroffen. Ich selber telefoniere darüber hinaus ungewöhnlich viel. Der Kontakt zur Geschäftsstelle und Tobias Froeb ist eng. Ich weiß von unseren TrainerInnen, dass sie im Austausch mit ihren SpielerInnen und den Eltern sind.

Kann momentan irgendetwas auf dem Gelände stattfinden?
LW: Wir haben 2019 massive Investitionen in das Vereinsgelände gesteckt. Darüber hinaus konnte Ende des Jahres unser neues Vereinsheim übergeben werden, das nach dem verheerenden Feuer komplett zerstört war. Dann kommt es natürlich zwangsläufig dazu, dass man Dinge neu denken muss. Ob das die Außengestaltung am neuen Gebäude ist oder die Kabinen mit Bänken und dergleichen auszustatten. Das alles haben wir getan. Darüber hinaus wollten wir unseren normalen „Frühjahrsputz“ wie immer stattfinden lassen. Sollte es zu geänderten Kontakt- oder Ausgangsbeschränkungen kommen, sind wir vorbereitet. Pläne für die wichtigen Arbeiten in Kleingruppen unter Beachtung der Hygieneregeln liegen in der Schublade. Nichtsdestotrotz haben wir einen Plan für das gesamte Jahr 2020 entwickelt.

Ist der Breitensport in irgendeiner Form an die Schulen gekoppelt bezogen auf Schulstart und Trainingsbetrieb, oder hat dies nichts miteinander zu tun?
LW: Das Vereinsleben steht da etwas hinten an. Nur wenn die Schulen wieder geöffnet werden, kann aus unserer Sicht auch wieder Training auf der „Neuen Linie“ stattfinden – ob in Kleingruppen, definierten Zeiträumen und unter Beachtung aller dann geltenden Regeln. Ich denke, dass es auch ein wichtiges Zeichen vor allem für unsere NachwuchsspielerInnen und vor allem deren Eltern ist, wenn wir sagen: Wir sind wieder für euch da! Ob Sport- oder Kulturvereine, wir nehmen einen nicht zu unterschätzenden sozialen Auftrag für die Gesamtgemeinschaft wahr. Und mal im Ernst, welches Kind oder welcher Jugendliche freut sich dann nicht, endlich die eigenen vier Wände gegen den Fußballplatz zu tauschen.

Könntest du eine Prognose wagen, wie es in den nächsten Wochen und Monaten weitergeht?
LW: Überhaupt nicht. Es wäre auch nicht sinnvoll, eine Tendenz abzugeben. Wir bekommen aber schon mit, dass offenkundig hinter verschlossenen Türen bei den Verbänden verschiedene Szenarien durchdacht werden. Wie gesagt, würden wir uns da mehr Nachfragen bei den Vereinen wünschen. Was ich auf jeden Fall sagen kann ist, dass wir unsere eigenen Planungen vorantreiben und vorbereitet wären. Sollte es für die Saison 2019/2020 keinen Spielbetrieb mehr geben, würden wir dennoch versuchen, dass Training wieder aufzunehmen. Alles andere müssen wir sehen.

Zum Abschluss: Findet eigentlich – wie bei den Profis – das Training der 1. Herren online statt?
LW: Kurzum ja. Thomas Goretzky und sein Team sind äußerst erfinderisch und kreativ. Da werden Toilettenpapierrollen jongliert und in der noch so kleinsten Wohnung Workouts durchgeführt. Man orientiert sich da sehr stark an den Vorgaben der Stars und Sternchen in den diversen Sozialen Medien. In der Tat, ich finde das gut und wertvoll für die Männer. Sie sollten das ruhig noch so lange tun, wie es eben nötig ist.

Vielen Dank für das Gespräch!