Die 1. Frauenmannschaft der SG LVB spielte in der vergangenen Saison guten und attraktiven Fußball und wurde am Ende denkbar knapp Vizelandesmeister. Im Interview gibt Trainer Martin Holzendorf einen Rückblick auf die abgelaufene Spielzeit und wagt einen Blick auf die kommende Saison.

Die LVB erreichte einen hervorragenden 2. Platz in der Landesliga Sachsen und hat sich damit seit der Zugehörigkeit zu Sachsens höchster Spielklasse kontinuierlich gesteigert. Wie sahen Ihre Ziele zu Saisonbeginn aus?

In der Spielzeit 2012/ 2013 sind wir Vierte geworden und so war uns schon bewusst, dass wir diese Leistung mindestens wieder bestätigen wollten. Es sind immer ein paar Unwägbarkeiten in einer Saison, die man nicht im Vorfeld einplanen kann und so lagen wir mit unserer eigenen Einschätzung zum Ende auch sehr gut.

Hand aufs Herz. Was überwiegt nach dieser Spielzeit, die Enttäuschung über die nur knapp verpasste Landesmeisterschaft oder der Stolz über die bislang erfolgreichste Landesliga-Saison?

Natürlich ist es schade, wenn man bis zum letzten Spieltag um den Titel mitspielt. Da kann man auch schon mal zwei Tage danach noch grummelig sein. Dennoch muss man sagen, dass wir auf unsere Leistung stolz sein können. Wir haben in vielen Spielen, vor allem zu Hause, blitzsauberen sowie attraktiven Fußball gezeigt und dem amtierenden Landesmeister eine herbe 6:2 Niederlage an der Neuen Linie zugefügt. Auf diese Saison dürfen wir daher zu recht stolz sein.

Wie zufrieden sind Sie mit der Leistung der neuen Spielerinnen? Wie klappte deren Integration?

Vor Saisonbeginn konnten wir mit Simone Gerbet, Sabine Leipnitz, Janine Kauf und Helen Theißen vier Neuzugänge an der „Neuen Linie“ begrüßen. Leider musste Janine aufgrund des Studienortwechsels schon im Oktober wieder den Verein verlassen. Bine und Simone haben schon mindestens ein Jahr bei uns trainiert, so dass deren Integration nicht schwer viel. Helen ist nach ihrem Auslandssemester wieder zurückgekehrt und hat sich wieder problemlos in die Mannschaft eingefügt. Da Simone parallel Schiedsrichterin u.a. in der NOFV Regionalliga ist, war sie die meisten Spieltage leider nicht da, so dass sie nur auf wenige Einsätze kommt. Mit den anderen beiden bin ich sehr zufrieden. Vor allem in der Hinserie waren sie wichtige Erfolgsgaranten und haben uns in dieser Spielzeit einige Erfolge gesichert.

Auffällig ist die geringe Anzahl an Gegentoren. Nur 18 Treffer kassierte ihre Mannschaft in den 16 Partien. Das ist – mit Abstand – der diesjährige Spitzenwert in der Landesliga Sachsen. Worauf führen Sie diese Leistung zurück? Zumal die Gegner im Vorjahr mit 48 Toren weit mehr als doppelt so häufig ins Gehäuse der Straßenbahnerinnen trafen.

Wir haben schon in der Winterpause der vorletzten Saison unsere Taktik umgestellt und gesehen, dass es das zur Zeit beste System für uns ist. Die Mannschaft hat die Abläufe immer mehr verinnerlicht und die Taktik vor allem gegen den Ball in dieser Spielzeit gut umgesetzt. Mit Daniela Schuppener und Friedericke Fuchs haben wir ein IV- Duo, dass in dieser Saison fantastisch gespielt hat. Im Mittelfeld haben sich Annegret Haschke, Linda Korb, Marlene Winkler und die wieder genesene Jenny Brehsan sich auf den drei Positionen sehr angespornt und klasse ergänzt. Aber die wenigen Gegentreffer sind ein Verdienst der gesamten Mannschaft, die sehr gut gegen den Ball gearbeitet hat. Angefangen im Sturm über Julia Feld und Corinna Vogt bis hin zu unseren Torhüterinnen Niki Schumann und Melanie Gerber.

In der Fairplay-Wertung liegt die LVB nach dem Ende der Saison auf dem 2.Platz zwischen dem 1. FFC Fortuna Dresden Rähnitz 2 und DFC Westsachsen Zwickau, zwei Mannschaften, die sich auf den letzten beiden Plätzen der Landesliga Sachsen befinden. Wünschen Sie sich manchmal etwas mehr Härte im Spiel ihrer Mannschaft?

Man sieht an dieser Wertung, dass man auch erfolgreich spielen kann, ohne dass man viele Karten sammeln muss. Wir waren auch in der Hinserie sehr präsent in den Zweikämpfen und haben dort dem Gegner den Schneid abgekauft, ohne übermäßig hart und Foul zu spielen. Diese Präsenz hat uns in manchen Auswärtsspielen in der Rückserie gefehlt. Dennoch finde ich auch einen zweiten Platz in der Fairplay-Wertung gut.

In der Rückrunde zeigten sich überraschende Leistungsschwankungen. Überzeugenden Heim-Siegen folgten meist eher enttäuschende Auftritte in den anschließenden Auswärtspartien. Kann man ihrer Mannschaft für diese Zeit eine Auswärtsschwäche bescheinigen – dafür würde auch die Tatsache sprechen, dass die LVB auswärts nur in etwa halb so viele Tore geschossen hat, wie auf der Neuen Linie – oder worin sehen Sie die Gründe für die vermeintlich eingebüßte Konstanz?

Es ist natürlich schade, dass wir das Selbstbewusstsein, welches wir an der Neuen Linie in unseren spielen gezeigt haben, 2014 nicht auswärts, vor allem in den ersten Halbzeiten abrufen konnten. Daran müssen und werden wir arbeiten, um im nächsten Jahr wieder die vorderen Plätze in der Tabelle anzugreifen.

Punkteausbeute, erzielte und kassierte Treffer, in allen relevanten Statistiken hat sich ihre Mannschaft zur letzten Saison verbessert. Über welche Entwicklung darüber hinaus haben Sie sich besonders gefreut? Und wo sehen Sie noch Verbesserungsbedarf?

Es gibt da viele positive Entwicklungen, die sich in dieser Saison eingestellt haben. Unsere Langzeitverletzten Fernando Beck und Jenny Brehsan sind zurückgekommen und haben gleich an ihre guten Leistungen von vor der Verletzung angesetzt. Mit Johannes Hanf habe ich erstmals einen Co Trainer, auf den ich mich zu 100% verlassen kann und der eine große Stütze im Trainingsprozess ist. Die Zusammenarbeit mit der 2. Frauenmannschaft hat sich positiv um 180° gedreht. Dies ist vor allem auch ein Verdienst von Alexander Perschmann, der die 2. Frauen seit dieser Saison trainiert. Auch das sehr gute Torwarttraining durch Christian Höfer ist ein weiterer positiver Unterschied zu letzter Saison. Vor allem Melanie Gerber hat davon nach der schweren Verletzung von Niki Schumann profitiert. Dies sind nur einige positive Veränderungen zur Vorsaison. In allen Bereichen haben wir uns verbessert. Natürlich gibt es fast überall noch Luft nach oben. Die Sachen haben wir erkannt und werden dies intern besprechen und versuchen abzustellen.

Zum Schluss noch ein Ausblick auf die neue Saison. Eine sicherlich wieder intensive Vorbereitung, der erste Auswärtssieg 2014, sowie mindestens ein zusätzliches Stadt-Derby liegen vor den Straßenbahnerinnen. Welche Erwartungen haben Sie an die neue Spielzeit?

(grinst) Ja, dass mit dem Auswärtssieg 2014 ist richtig. Den Haken dahinter möchte ich eigentlich schon nach dem ersten Auswärtsspiel setzen. Wir starten mit der Vorbereitung am 15.07.2014 und ich denke, dass die Mädels in der letzten Saison gesehen, wie wichtig die Vorbereitung für unseren Saisonverlauf war. Es ist immer gut, wenn neue Mannschaften in die Landesliga kommen. Da ist es mir auch unwichtig, ob diese aus Leipzig, Zwickau oder Dresden sind. Ich finde es schade, dass wie in der letzten Saison in der Landesliga, was die höchste Spielklasse im SFV darstellt, „nur“ neun Teams antreten, während unsere 2. Mannschaft in der Bezirksliga( ab 2014/ 2015 Landesklasse) 14 gegnerische Teams hat. Ob das der richtige Weg ist, sei zu bezweifeln. Ziel muss es sein, 12 Teams in der Landesliga zu haben. Des Weiteren drücke ich Niki Schumann fest die Daumen, dass sie nach ihrem Kreuzbandriss schnellstmöglich zwischen die Pfosten zurückkehrt Jetzt gilt es die ein, zwei Fragezeichen im Kader für die neue Saison abzuarbeiten, um da auch Planungssicherheit zu haben. Unser Vorhaben sollte es sein, weiterhin den schönen und attraktiven Fußball zu spielen, der uns fast über die komplette Saison ausgezeichnet hat. Ich wäre dankbar, wenn die Mannschaft so hervorragend und konzentriert im Training arbeitet wie in der abgelaufenen Spielzeit. Wenn das klappt, kommt der verdiente Lohn von alleine.

Vielen Dank für das Gespräch!

(Das Interview führte Johannes Hanf)